Die Payment-Trends 2026: Unser Report vom EHI Payment Kongress.

Mehr als 600 Teilnehmende aus Handel, Banken und Payment: Beim EHI Payment Kongress 2026 in Bonn tauschte sich die Branche wieder über konkrete Handelsanwendungen, Zahlungsmittel, neue Payment-Infrastrukturen und resilientere Payment-Prozesse aus.

Info

Die wichtigsten Themen im Überblick

Aus unserer Sicht lassen sich die wichtigsten Erkenntnisse dabei in vier grosse Themenfelder gliedern:

  • Der Payment-Mix im deutschen Handel verschiebt sich weiter deutlich in Richtung bargeldloses, kontaktloses Bezahlen und Mobile Payments.
  • Der Aufbau neuer europäischer Payment-Alternativen zu internationalen Payment-Systemen bewegt aktuell die Branche.
  • Für den Handel in Deutschland wird Payment zum immer strategischeren Thema: Dabei geht es um Souveränität, Resilienz, Datenhoheit und Kosten.
  • Durch die neuen Möglichkeiten des Agentic Commerce entstehen neue Chancen und Herausforderungen rund um Checkout-Verantwortlichkeiten und Fraud Prevention.

Entwicklungen & Statistiken: Wie sich der Payment-Mix in Deutschland weiter verschiebt.

Die Entwicklungen, die sich bereits in den Vorjahren abgezeichnet haben, setzen sich fort: Bargeld wird in Deutschland immer weniger eingesetzt, internationale Debitkarten sowie Mobile Payments wachsen weiter und mit dem Rückgang vieler Bankfilialen bzw. -automaten wird Cashback als Service am POS verstärkt nachgefragt.

Bargeld fällt erstmals unter die Ein-Drittel-Schwelle.

Die zentrale Marktentwicklung im stationären deutschen Einzelhandel bleibt eindeutig: Bargeld verliert weiter an Bedeutung, während kartengestützte Zahlungen wachsen.

Laut EHI lag der Bargeldanteil am Umsatz 2025 bei 32,3 %. Im Vorjahr waren es noch 33,8 %. Damit fällt Bargeld erstmals unter die Ein-Drittel-Schwelle!

Der Kartenanteil am Umsatz stieg 2025 auf 65,1 %. Das entspricht einem Zuwachs von 1,6 % gegenüber 2024. Trotz leicht rückläufigem Anteil bleibt die girocard die stärkste Zahlungsart im stationären Handel. Ihr Umsatzanteil sank jedoch von 41,5 % im Jahr 2024 auf 40,5 % im Jahr 2025.

Entwicklung des Payment-Mix im deutschen Einzelhandel

Internationale Debitkarten in Deutschland weiterhin auf Wachstumskurs.

Weiter auf Wachstumskurs blieben 2025 in Deutschland dagegen die internationalen Debitkarten. Aus Kundensicht bieten Visa Debit und Debit Mastercard Vorteile bei internationaler Einsetzbarkeit, E-Commerce-Fähigkeit und Mobile Payment. Das spiegelt sich in ihrer wachsenden Beliebtheit bei den Konsument*innen.

Am POS stieg der Anteil von Visa Debit, Debit Mastercard, V PAY und Maestro im Payment-Mix laut EHI von 6,9 % im Jahr 2024 auf 9,4 % im Jahr 2025. Das entspricht einem Plus von 2,5 Prozentpunkten.

Auch die EHI-Analyse zu internationalen Kredit- und Debitkarten zeigt die wachsende Relevanz dieser Verfahren: Internationale Kredit- und Debitkarten kamen 2025 zusammen auf 88,794 Mrd. Euro Umsatz und damit auf 17,6 % Marktanteil am Gesamtumsatz des stationären Einzelhandels in Deutschland.

Diese Entwicklung ist für den Handel strategisch relevant, weil internationale Debitkarten neben anderen Einsatzmöglichkeiten im Vergleich zur girocard auch andere Gebührenstrukturen aufweisen, die für Handelsunternehmen meist höhere Kosten bedeuten.

girocard vs. internationale Debitkarten in Deutschland

Umsatzanteile girocard
Umsatzanteile Debit International
Anteil mobiler Zahlungen an allen kontaktlosen girocard-Zahlungen (2025)
Anteil mobiler Zahlungen an allen kontaktlosen Debitkarten-Zahlungen (2025)

Mobile Payment hat sich etabliert.

Kontaktloses Bezahlen ist inzwischen Standard: Laut EHI können alle grossen Unternehmen des EHI-Panels kontaktlose girocard- und Kreditkartenzahlungen verarbeiten. 94,0% aller girocard-Transaktionen und 94,6% aller Kreditkarten-Transaktionen fanden 2025 kontaktlos statt!

In diesem Feld wächst der Bereich Mobile Payment am stärksten. Wurden 2024 noch rund 12,85% der bargeldlosen Zahlungen in Deutschland mobil durchgeführt, waren es 2025 bereits 19,26%.

Spannend ist der Blick auf die mobile Nutzung innerhalb der kontaktlosen Zahlungen: Rund 15,5 % aller kontaktlosen girocard-Zahlungen, 32,5 % aller kontaktlosen Kreditkartenzahlungen und 45 % aller kontaktlosen Debitkarten-Zahlungen wurden laut EHI bereits mit digital hinterlegten Karten mobil durchgeführt.

Zusammensetzung der EFT-Technologien 2025 in Deutschland

Cashback wächst weiter – und wird für Händler zur Belastungsfrage.

Der Cashback-Service ermöglicht Kund*innen, im Rahmen ihres Einkaufs Bargeld am POS «abzuheben». 2025 stieg der Cashback-Umsatz im Einzelhandel in Deutschland von 13,57 Mrd. Euro (2024) auf 15,18 Mrd. Das entspricht einem Wachstum von rund 11,84 %!

Für Händler stellt sich im Kontext von Cashback zunehmend die Frage nach Rollen und Kosten: Der Handel sieht sich selbst nicht als „systemrelevanter strategischer Bargeldversorger“, lehnt einen Angebotszwang ab und wünscht sich mindestens eine kostenneutrale Abwicklung von Bargeldauszahlungen – anstatt für diesen Service selbst noch Gebühren zahlen zu müssen.

Kundenbindung wird digitaler: von der Karte zur App

Auch im Bereich der Kundenbindung ist der Mobile-Trend spürbar in Deutschland. Loyalty-Apps lösen zunehmend physische Kundenkarten ab: Nur noch 13,5 % der befragten grossen Handelsunternehmen nutzen 2026 ausschliesslich physische Kundenkarten, 31,5 % kombinierten digitale App und Karte und 42,4 % setzten ausschliesslich auf eine digitale App.

Damit verschiebt sich Kundenbindung zunehmend in Richtung App-basierter Ökosysteme. Diese Entwicklung ist für Payment relevant, weil Händler-Apps künftig stärker Loyalty, Angebote, digitale Belege und Bezahlfunktionen verbinden können.

PAYBACK bleibt dabei das mit Abstand grösste Loyalty-Programm in Deutschland. Die Anzahl der Nutzer*inne wuchs von 31 Millionen (2024) auf 35 Millionen (2025/2026). Auch hier geht der Trend Richtung App-Nutzung: Mittlerweile greifen über 18 Millionen aktive Nutzer*innen regelmässig auf die mobile PAYBACK-App zurück.

Europäische Payment-Alternativen: Unterschiedliche Lösungsansätze für mehr digitale Souveränität

Ein zentrales Thema des EHI Payment Kongresses 2026 war die Frage, wie abhängig Europa von internationalen Payment-Infrastrukturen ist, welche Alternativen es gibt – und wie deren Erfolgsaussichten sind.

Besonders spannend war in diesem Zusammenhang der Vortrag der Bundesbank, die den Teilnehmenden den Digitalen Euro als neuen Standard im Bereich der digitalen Währungen vorstellte.

Der Digitale Euro: Infrastrukturprojekt mit politischem Anspruch

Der Digitale Euro befindet sich derzeit in der Entwicklungsphase und zielt darauf ab, den bargeldlosen Zahlungsraum in der EU unabhängiger und effizienter zu machen sowie die Souveränität des eigenen Geldsystems gegenüber privaten (oft internationalen) Zahlungsanbietern und Kryptowährungen zu stärken.

Die Bundesbank beschreibt ihn als Retail-CBDC (Retail Central Bank Digital Currency): Dabei handelt es sich um eine digitale Version von Bargeld, die direkt von einer Zentralbank ausgegeben wird. Sie ist für die breite Öffentlichkeit – also Privatpersonen und Unternehmen – bestimmt.

Als zentrale Vorzüge des Digitalen Euro nannte die Bundesbank unter anderem die Gültigkeit der Währung im gesamten Euroraum, den Status als sicheres Zentralbankgeld, gebührenfreie Basisleistungen, den Schutz der Privatsphäre, die Offline-Verfügbarkeit sowie das breite Einsatzfeld am POS, im E-Commerce und zwischen Privatpersonen (Peer-to-Peer-Zahlungen).

Wenn der Gesetzgebungsprozess rund um den Digitalen Euro 2026 abgeschlossen wird, soll die neue Währung 2029 ausgegeben werden. Die Akzeptanz soll für alle Unternehmen verpflichtend sein

Die Aussicht, dieses weitere Zahlungsmittel verpflichtend anbieten zu müssen, wurde von Teilen der Zuhörer*innen bei der anschliessenden Diskussion als zusätzliche Belastung für den Handel hinterfragt.

Wero / EPI: Eine europäische Alternative, die sich noch bewähren muss.

Wero ist das neue europäische Bezahlsystem der European Payment Initiative (EPI). Ziel ist es, durch ein länderübergreifendes System eine europäische Skalierung zu ermöglichen – und eine ernsthafte Alternative zu den US-Anbietern Apple Pay, Google Pay und PayPal zu etablieren.

Diese US-Anbieter profitieren aktuell vor allem davon, dass sie bestehende Karteninfrastrukturen und globale Plattform-Ökosysteme nutzen. Dadurch können sie deutlich schneller skalieren als viele nationale Einzellösungen

Aktuell erlaubt Wero, Geld in Echtzeit direkt von Bankkonto zu Bankkonto zu senden, zu empfangen und online zu bezahlen.

Die Einschätzung der Teilnehmer*innen zum Erfolg von Wero ist gemischt, wird aber im Vergleich zu den Vorjahren spürbar grösser: Inzwischen glauben nur noch 32,5 %, dass Wero ein Nischenprodukt bleiben wird, während 31,3 % davon ausgehen, dass das neue System online nennenswerte Marktanteile erobert (2025 noch 14,3 %). Immerhin 10,8 % trauen dem System inzwischen einen marktführenden Erfolg zu.

Wenn es um die Planung der Einführung im eigenen Unternehmen geht, sind die Reaktionen aktuell noch eher zurückhaltend: 74,6 % der befragten Unternehmen wollen erst mal abwarten, wie sich Wero weiterentwickelt, 11,3 % planen Wero 2026 im E-Commerce einzusetzen und 14,1 % planen Wero 2026 sowohl im E-Commerce als auch am POS einzusetzen. Hier bleibt also noch etwas Überzeugungsarbeit zu leisten.

Trotz des aktuellen Marketing-Drucks und der positiveren Einschätzung des Handels verglichen mit den Vorjahren: Entscheidend für den Erfolg wird sein, wie gut das neue System in Zukunft von Konsument*innen und Handel angenommen wird.

Bluecode: Eine weitere europäische Mobile-Payment-Alternative

Als Mobile-Payment-Lösung am POS für den europäischen Markt präsentierte sich zudem Bluecode (ein Mitglied des Verbands EMPSA) auf dem EHI Payment Kongress.

Der Bezahlvorgang funktioniert bei Bluecode via Barcode- bzw. QR-Code-Scan. Das System verfolgt die Vision, dass alle Europäer*innen ihre nationale Zahlungslösung europaweit ohne Barrieren oder Zuschläge nutzen können.

Ob diese Lösung eine nennenswerte Marktdurchdringung erreicht, wird sich jedoch ebenfalls erst noch zeigen.

Neue Payment-Infrastrukturen: Warum die Systemarchitektur immer entscheidender wird.

Mit 53,7 % wollen mehr als die Hälfte der grossen Handelsunternehmen in Deutschland 2026 in ihre Payment-Infrastruktur investieren. Im Fokus stehen dabei die Modernisierung der Infrastruktur sowie mehr Mobilität, Flexibilität und Unabhängigkeit.

Der Fall Deichmann: Vorbild für neue Payment-Strategien?

Einen beispielhaften Case für diese Entwicklung präsentierte Deichmann zusammen mit seinem Partner CMSPI: Zentrale Ziele dieses Payment-Infrastruktur-Projekts waren mehr Resilienz, regulatorische Sicherheit, regionale Skalierbarkeit, ein optimiertes Terminal-Management, präziseres Payment-Reporting und mehr Payment-Unabhängigkeit für die Zukunft.

Als Ergebnis wurden unter anderem Android-basierte Terminals sowie eine mobile Kassen-App mit zweitem Acquirer eingeführt, durch die Ausfälle in Zukunft besser abgefedert und das Kundenerlebnis verbessert werden sollen.

Mehr Fokus auf Architektur! Neue Strategien für Payment Systeme

Der Fall Deichmann steht exemplarisch für einen Trend, den wir vor allem bei grösseren Handelsunternehmen beobachten: Payment und die Systeme dahinter sind zu einem wichtigen strategischen Thema geworden. Moderne Payment-Architekturen helfen Händlern, neue Zahlarten schneller zu integrieren, mehrere Acquirer oder Dienstleister parallel einzubinden und Ausfallszenarien robuster abzufedern.

Agentic Commerce: Wie KI-Agenten das Payment verändern.

Wenn KI-Agenten beim Einkauf Nutzer:innen beraten oder sogar selbständig einkaufen gehen, bezeichnet man das als «Agentic Commerce».

Die neuen Möglichkeiten bergen nicht nur Potenziale für zusätzliche Umsätze, sondern stellen die Branche auch vor eine Reihe von Herausforderungen. Kein Wunder, dass das Thema auf dem EHI Payment Kongress 2026 intensiv diskutiert wurde.

Die vier Stufen des Agentic Commerce

Otto Payments unterteilte in seinem Vortrag Agentic Commerce in vier Entwicklungsstufen, die Handelsunternehmen voraussichtlich in Zukunft durchlaufen werden:

KI-optimierter Webshop

Der Webshop bleibt der zentrale Ort des Einkaufs. KI-Funktionen unterstützen Produktsuche, Personalisierung, dialogbasierte Suche und Shopping-Assistenten.

Einfache KI-Shopping-Assistenten

Sie finden Produkte und leiten Kund:innen anschliessend an einen Webshop weiter.

KI-Plattformen als personalisierte Einkaufsumgebungen

Nutzer:innen geben Anweisungen, die KI stellt passende Angebote zusammen und Kund:innen können in KI-Assistenten Käufe durchführen.

Selbständiger KI-Concierge

Hier übernimmt ein KI-Agent proaktiv den gesamten Einkaufsprozess und handelt autonom oder teilautonom.

Während bei Stufe eins und zwei die Checkout-Verantwortlichkeit weiterhin im Webshop liegt, verlagert sich das bei Stufe drei und vier: Hier liegt der Checkout beim Agenten, was grosse Auswirkungen auf den gesamten Payment-Prozess hat.

Agentic Commerce verändert Fraud Prevention.

Die Entwicklungen rund um Agentic Commerce haben auch einen entscheidenden Einfluss darauf, wie Händler und Payment Dienstleister in Zukunft Tools zur Betrugsprävention einsetzen werden. Das wurde vor allem beim Vortrag von RISK IDENT sichtbar.

Zur Erkennung möglicher Betrugsversuche wird heute auf eine Reihe interner und externer Datenpunkte entlang der gesamten Customer Journey zugegriffen: Account- und Bestelldaten, Zahlungsinformationen, Kund:innenprofile, Datenanreicherung, Gerätedaten und – perspektivisch – Agent-Daten.

Viele dieser Signale basieren jedoch auf den Stufen eines menschlich-geprägten Kaufprozesses. In agentengesteuerten Szenarien fallen diese Signale weg oder werden schwerer interpretierbar.

Die Auswirkungen, die das in Zukunft rund um das Thema Fraud Prevention haben wird, sind nicht zu unterschätzen. RISK IDENT empfiehlt vor diesem Hintergrund möglichst grosse Transparenz entlang des Kaufprozesses zu schaffen und das Risikomanagement von Anfang an mitzudenken.

Unser Fazit? Payment wird immer stärker strategisch gedacht.

Ob man den Wunsch nach Payment-Souveränität auf europäischer Ebene oder das Ziel vieler Handelsunternehmen betrachtet, ihre Payment Systeme resilienter, flexibler und unabhängiger aufzubauen: Während Payment früher einfach funktionieren musste, geht der Trend inzwischen dahin, durch proaktive Gestaltung die Prozesse stärker selbst zu bestimmen. Der aufkommende Agentic Commerce wird diesen Trend voraussichtlich noch weiter verstärken.

Sie wünschen sich Beratung, wie Sie Ihr Payment unabhängiger, transparenter oder kostengünstiger gestalten können? Kontaktieren Sie uns gerne. Wir freuen uns immer über fachlichen Austausch zu diesem spannenden Thema.

Dominique Bächler Autor des Artikels

Dominique ist CEO der treibauf AG und Expertin für alle strategischen Herausforderungen, die den EFT-Markt betreffen. Dabei hilft ihr auch die langjährige Erfahrung als Analystin und Strategin. Hier berichtet sie regelmässig über die wichtigsten Trends und Entwicklungen der Branche.

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