Bargeldloser Zahlungsverkehr: Wie er funktioniert – und warum er immer wichtiger wird.

17. Dezember 2020

Symbolbild: Kreditkarte wird in modernes kabelloses POS-Terminal geschoben. Bargeldloser Zahlungsverkehr wird auch am POS immer wichtiger.

Das Volumen der Umsätze im E-Commerce nimmt kontinuierlich zu. Doch selbst wenn man nur den stationären Handel betrachtet, gilt: Immer mehr Zahlungen erfolgen bargeldlos. Für die Kunden bedeutet das mehr Komfort beim Zahlungsprozess. Elektronische Zahlungen bieten aber auch Unternehmen eine ganze Reihe von Vorteilen.

Doch wie funktionieren bargeldlose Zahlungen genau? Welche bargeldlosen Zahlungsformen unterscheidet man? Was sind die Vor- und Nachteile für Unternehmen? Und nicht zuletzt: Was sind die Trends für die Zukunft? Wir erklären schnell und einfach, wie der Electronic Funds Transfer (EFT) abläuft.

Inhalt des Artikels

Was ist bargeldloser Zahlungsverkehr?

Als bargeldlosen Zahlungsverkehr – auch Electronic Fund Transfer (EFT) genannt – bezeichnet man alle Arten von elektronischen Transaktionen. Dazu zählen u.a.

  • Debit- und Kreditkartenzahlungen
  • Überweisungen und Lastschriftverfahren
  • Mobile Payments
  • Online-Bezahldienste wie PayPal

Bargeldloser Zahlungsverkehr: Beeindruckende Zahlen

Eine Balkengrafik, die verdeutlicht, dass der Anteil von bargeldlosen Zahlungen am Gesamtumsatz im Kontext der Corona-Krise stark zugenommen haben: Während vor der Corona-Krise der Anteil an Debit-Zahlungen noch 27 % betrug, ist er seit der Corona-Krise auf 31 % des Gesamtumsatzes gestiegen.
Der Anteil der Debit-Zahlungen ist deutlich gestiegen.

Bargeldlose Zahlungsformen:
Wie funktioniert elektronischer Zahlungsverkehr?

Das Grundprinzip ist immer gleich: Durch die Übertragung von essenziellen Zahlungsdaten wird ein Geldbetrag vom Bankkonto des Zahlenden auf das Konto des Zahlungsempfängers umgebucht. Diese Daten beinhalten

  • die Summe des zu übertragenden Geldes
  • das Zielkonto
  • das Quellkonto
  • und den Zeitpunkt des Transfers.

Des weiteren unterscheidet die verschiedenen elektronischen Zahlungsarten, wie sie diese Zahlungsdaten übertragen. Hier erklären wir Ihnen, wie die üblichen bargeldlosen Zahlungsarten im (stationären) Handel funktionieren.

Bargeldlose Zahlung per Debit- oder Kreditkarte

Im stationären Handel verarbeitet ein Terminal die auf den Karten gespeicherten Kontoinformationen, indem es den Chip oder den Magnetstreifen ausliest. Der Käufer autorisiert durch PIN-Eingabe oder durch seine Unterschrift die Umbuchung des Zahlungsbetrags.

Anschliessend wird der Zahlungsbetrag zunächst auf dem Bankkonto des Käufers reserviert und nach Freigabe durch den Acquirer (auch Autorisierung genannt) auf das Konto des Verkäufers umgebucht.

Kontaktloses Bezahlen

Hier kommt ein NFC-Chip (Near Field Communication) zum Einsatz: In diesem Fall muss kein Chip oder Magnetstreifen mehr ausgelesen werden. Stattdessen werden dieselben Informationen mittels NFC per Funk an das Payment Terminal übertragen.

Mobile Payments

Mobile Payment Applikationen (wie z.B. Apple Pay, Google Pay etc) sind eine Form des kontaktlosen Bezahlens. Bei dieser Technologie werden mobile Endgeräte (oft Smartphones) zur Initiierung, Autorisierung oder Realisierung von Zahlungen genutzt.

Dafür werden im Falle von Apple Pay oder Google Pay die Kreditkartendaten in einer App gespeichert, auf die dann beim Bezahlvorgang zugegriffen wird. Auch hier funktioniert die Kommunikation mit dem Payment Terminal via NFC.

PayPal und andere Online-Bezahldienste

Hier wird der bargeldlose Zahlungsverkehr zunächst vollständig online über ein virtuelles Konto abgewickelt. Im zweiten Schritt wird dieser Betrag per Lastschriftverfahren vom verknüpften Girokonto oder dem Guthaben abgebucht.

Mehr zu PayPal-Zahlungen und wie diese sich für ein Unternehmen auf deren die Buchungsvorgänge auswirken, lesen Sie hier.

Bargeldloser Zahlungsverkehr: Die wichtigsten Marktteilnehmer

Damit der bargeldlose Zahlungsverkehr sicher und zuverlässig funktioniert, braucht es bestimmte technische und organisatorische Voraussetzungen. Dafür sorgen unterschiedliche Marktteilnehmer – vom Terminal-Hersteller über den Payment Service Provider und den Acquirer bis zur Bank.

Die Wichtigsten haben wir im Folgenden für Sie erläutert.

Eine Grafik, die die verschiedenen Marktteilnehmer im Kontext des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zeigt: Von Kassensystem-Herstellern, über Payment Terminal Hersteller, Payment Service Provider und Acquirer bis zu den Banken.
Bargeldloser Zahlungsverkehr: Die wichtigsten Marktteilnehmer.

Die Hersteller von Kassensystemen

Damit elektronische Zahlungen an der Kasse funktionieren, müssen diese Systeme die Abwicklung der verschiedenen Zahlungsformen ermöglichen.

Dabei ist u.a. eine sichere, zuverlässige und schnelle Kommunikation zwischen den Kassensystemen und den Payment-Terminals von besonderer Bedeutung. Warum diese Kommunikation nicht in allen Fällen immer reibungslos funktioniert – und wie man diese Herausforderung meistert, lesen Sie hier.

Die Anbieter von Payment Terminals

Die Payment Terminals verarbeiten Kartenzahlungen an den Kassen: Einerseits müssen sie unterschiedliche Arten von Karten und kontaktlose Bezahloptionen abwickeln können, andererseits müssen sie über eine Schnittstelle (wie z.B. ZVT) mit den Kassensystemen kommunizieren.
Gerade beim Wechsel zu einem anderen Terminal-Anbieter kann es bei der Kommunikation zwischen Terminal und Kasse aber schnell zu Problemen kommen. Doch auch dafür gibt es eine Lösung.

Die Payment Service Provider (PSP)

Payment Service Provider sorgen für die Integration unterschiedlicher bargeldloser Zahlungsmethoden in das Bezahlsystem des Unternehmens, so dass bestimmte Kredit- oder Debitkarten, Online-Bezahldienste oder E-Wallets akzeptiert werden können.

Im Normalfall ist ein Payment Service Provider nicht an einen einzigen Acquirer oder an ein Zahlungsnetzwerk gebunden. So kann ein Händler viele verschiedener Zahlungsarten mit nur einem PSP bereitstellen.
Bei einer Zahlungsanfrage nimmt der PSP Kontakt mit dem Acquirer auf, um diese bestätigen bzw. autorisieren zu lassen.

Die Acquirer

Nachdem eine Zahlungsanfrage an einen Payment Service Provider geschickt wurde, sendet dieser die entsprechenden Informationen weiter an den Acquirer, der die Zahlung basierend auf Gültigkeit und Kreditlimit der Karte bestätigt oder ablehnt. Im Fall einer Bestätigung werden diese Informationen weiter an die Bank und zurück an den Payment Service Provider geschickt.

Der Acquirer hat also die Rolle eines Puffers zwischen Payment Service Provider und Bank. Seine Aufgaben? Die Erfassung, Autorisierung und Verarbeitung von Karten-Transaktionen.

Die Banken

Der Acquirer teilt der Bank mit, dass ein Zahlungsbetrag autorisiert wurde. Im nächsten Schritt belastet die Bank den Zahlbetrag auf dem Konto des Käufers und veranlasst eine Gutschrift auf dem Konto des Verkäufers.

Zudem stellen die Banken sowohl Käufern als auch Verkäufern Bankkonten – und damit die Grundvoraussetzungen für den Electronic Funds Transfer (EFT) – zur Verfügung.

Bargeldloser Zahlungsverkehr im europäischen Vergleich

  • Das Zukunftsinstitut hat die Häufigkeit von elektronischen Zahlungen über die verschiedenen EU-Länder hinweg verglichen. Das Ergebnis: Skandinavien ist Vorreiter in Sachen Electronic Fund Transfers (EFT).
  • Übrigens: In Schweden bezahlen die Menschen bereits 80% ihrer Einkäufe mit Karte oder Smartphone.
Eine Balkengrafik, die die Anzahl der Kartenzahlungen pro Einwohner und Jahr in den verschiedenen europäischen Ländern verdeutlicht. Am meisten Kartenzahlungen gibt es in Schweden mit 270,2 Zahlungen pro Einwohner und Jahr. Demgegenüber steht Griechenland mit nur 8 Kartenzahlungen pro Einwohner und Jahr.
Anzahl der Kartenzahlungen pro Einwohner und Jahr in den verschiedenen europäischen Ländern.

Vor- und Nachteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs für Unternehmen

Vorteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs

  • Gesteigerte Einnahmen: Bargeldlose Zahlungen sind meist für den Konsumenten deutlich bequemer als das Zahlen mit Bargeld. Das führt oft auch zu einem gesteigerten Konsum.
  • Beschleunigung des Bezahlprozesses: Zudem verkürzen Kartenzahlungen die Kassierzeiten: Die Schlangen vor den Kassen werden kürzer und das Unternehmen benötigt weniger Personal an den Kassen.
  • Weniger Risiko: Je geringer der Bargeldbestand im Unternehmen, desto geringer ist das Risiko von Überfällen oder internem Betrug. Auch die erhöhte Transparenz und Dokumentation aller Transaktionen sorgt für ein erhöhtes Mass an Sicherheit.
  • Die Möglichkeiten des E-Commerce: Bargeldlose Zahlungen sind essenzielle Voraussetzung für den Online-Handel, dessen Umsatz immer weiter zunimmt. Die uneingeschränkten Öffnungszeiten und die Internationalität schaffen Händlern Potenziale.

Nachteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs

  • Die Kosten der Einrichtung: Um die verschiedenen Formen elektronischer Zahlungen im eigenen Unternehmen anbieten zu können, müssen diese zunächst sicher und zuverlässig integriert werden. Alle Systeme müssen reibungslos miteinander kommunizieren. Kommt es hier zu Problemen, bedeutet das oft einen grossen Aufwand für die IT.
  • Die Gebühren: Zahlungsdienstleister wie PayPal, Mobile Payment Apps und Verarbeiter von Debit- und Kreditkartenzahlungen erheben für jede Transaktion Gebühren, die gerade bei Unternehmen mit tausenden Transaktionen pro Tag nicht zu unterschätzende Kosten verursachen können.

Die Zukunft des bargeldlosen Zahlungsverkehrs: Was sind die Trends?

Zusammenfassung: Bargeldloser Zahlungsverkehr

Der bargeldlose Zahlungsverkehr umfasst alle elektronischen Transaktionen, u.a. Kartenzahlungen, Überweisungen, Mobile Payments und Online-Zahldienste.

Im bargeldlosen Zahlungsverkehr werden Zahlungsdaten vom Konto des Zahlenden auf das des Zahlungsempfängers übertragen.

Der Anteil bargeldloser Zahlungen wächst kontinuierlich. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen wird.

Voraussetzung für den elektronischen Zahlungsverkehr ist neben den technischen Grundlagen (Internet, Verschlüsselungen, Terminals etc) die Kommunikation zwischen Payment Service Providern, Acquirern und Banken.

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