National unterschiedliche Kassenschnittstellen
International betrachtet unterscheiden sich also die vornehmlich verwendeten Kassenschnittstellen erheblich. Aber selbst innerhalb der eigenen Landesgrenzen gibt es bislang nur wenig Standardisierung.
Das liegt teilweise auch im Interesse der Acquirer, die durch die Verwendung einer bestimmten Schnittstelle Händler einen Wechsel erschweren. Denn wenn der Händler das verwendete Payment Terminal für die Abwicklung seiner bargeldlosen Zahlungen wechseln möchte, muss er zunächst die passende Schnittstelle in sein Kassensystem integrieren, um überhaupt mit einem anderen Terminal kommunizieren zu können. Der dabei entstehende Entwicklungsaufwand kann enorm sein.
Um den Nutzern der POS-Terminals mehr Flexibilität und Freiheit zu schenken, gab es immer wieder Versuche einer Standardisierung der Kassenschnittstelle – auf nationaler und internationaler Ebene.
Versuch einer internationalen Standardisierung: die OPI Kassenschnittstelle
Wäre es nicht toll, wenn es international eine standardisierte Kassenschnittstelle gäbe? Tatsächlich gab es schon einige Versuche, einen solchen internationalen Standard zu etablieren – sowohl durch internationale Organisationen wie ISO, IEC, IFSF oder IEEE als auch durch grosse Unternehmen.
Modern und flexibel sollten diese neuen Kassenschnittstellen sein. Trotzdem haben sich nur wenige davon am Markt etabliert.
Ein Beispiel für eine solche Ausnahme ist die von Wincor-Nixdorf OPI-Schnittstelle, die z.B. in den Benelux-Staaten, Österreich und der Schweiz Verwendung findet.
Versuch einer nationalen Standardisierung: die ZVT Kassenschnittstelle in Deutschland
Innerhalb von Deutschland konnten sich die Hersteller von Payment Terminals tatsächlich auf einen gemeinsamen Standard für die Kassenschnittstelle einigen: das ZVT Protokoll, kurz ZVT. ZVT leitet sich dabei übrigens von der ursprünglichen Bezeichnung des Geräts ab: ZahlungsVerkehrsTerminal.
Wie die Auflösung der Abkürzung ZVT bereits vermuten lässt, wird dieses Protokoll bereits seit vielen Jahren verwendet. Technologisch betrachtet gibt es inzwischen auch fortschrittlichere Kommunikationsprotokolle als die ZVT Kassenschnittstelle. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sie sich zu einem gewissen Grad als Standard innerhalb von Deutschland etabliert hat.
Die Spezifikationen der ZVT Kassenschnittstelle zum Download
Sie möchten gerne die genauen Spezifikationen der ZVT Kassenschnittstelle wissen? Kein Problem! Der Verband der Terminalhersteller in Deutschland hat ein detailliertes Dokument zum Download bereitgestellt.
Zum Download der ZVT Kassenschnittstelle
Der Interpretationsspielraum der ZVT Kassenschnittstelle
Jetzt liegt die Vermutung nahe, dass die vermeintlich standardisierte ZVT Kassenschnittstelle innerhalb von Deutschland den Wechsel zu einem neuen Payment Terminal erleichtert und damit Händlern mehr Flexibilität schenkt.
In der Praxis gestaltet sich ein Terminal-Wechsel aber in den meisten Fällen trotzdem schwierig, da der Interpretationsspielraum der ZVT Kassenschnittstelle sehr gross ist. Allein die Protokollspezifikation ist ca. 200 A4-Seiten lang. Nutzt man diesen Interpretationsspielraum bei der Entwicklung von konkreter Schnittstellen-Software, sind die Ergebnisse wiederum nicht universell kompatibel.
Insbesondere wenn der Händler sehr spezifische Features benötigt, gibt es zum Teil auch Erweiterungen, die weit über den in der Protokollspezifikation festgehaltenen Standard hinausgehen.
Selbst wenn die Basisspezifikationen der ZVT Kassenschnittstellen also ähnlich sind, führt der Interpretationsspielraum dazu, dass der Wechsel hin zu einem neuen Payment Terminal grossen Entwicklungsaufwand mit sich bringen kann – vorausgesetzt man hat keine universelle Schnittstelle, wie z.B. Pepper von treibauf, die eine Anbindung über alle vorhandenen Kommunikationsprotokolle hinweg extrem erleichtert.
Die ZVT Kassenschnittstelle als byte-basiertes Protokoll
Bei der ZVT Kassenschnittstelle handelt es sich um ein klassisches Byte-basiertes Kommunikationsprotokoll. In den Anfängen der Kassenschnittstelle wurde eine Liste von Feldern definiert. Einige müssen bei jedem Aufruf verbindlich übergeben werden, andere können optional transferiert werden.
Für jeden dieser Befehle ist der Wertebereich und die Kodierung der darauffolgenden Nutzdaten fest definiert.
Diese festen Definitionen der Wertebereiche und Kodierungen haben die ZVT Kassenschnittstelle beschränkt. Damit das Kommunikationsprotokoll neueren Anforderungen gerecht wird, erweiterte man das Protokoll um die Fähigkeit, TLV-Container (Type Length Value Container) zu verwenden. Diese bieten deutlich mehr Flexibilität bezüglich des Aufbaus und des Inhalts der übermittelten Daten.
Mehr über die Funktion und Nutzung solcher TLV-Container, erfahren Sie hier.