Es ist ein globaler Trend, der seit Jahren ungebrochen ist: Der Anteil an bargeldlosen Zahlungen im Handel wächst. Laut einer deutschlandweiten Studie des EHI zahlten 1994 noch 78.7 % der Konsument:innen im Einzelhandel mit Bargeld (bezogen auf den Gesamtumsatz). 2019 war dieser Anteil bereits auf 46.5 % gesunken und 2021 zahlten nur noch 38.5 % (!) der Konsument:innen bar. In anderen Ländern ist dieser Anteil sogar noch deutlich geringer.
Mit dem Anteil an elektronischen Zahlungen nehmen auch die Kosten zu, die bei diesen Zahlungsarten für Handelsunternehmen entstehen. Die Optimierung dieser Kosten wird für Unternehmen deshalb zu einem wichtigen strategischen Thema. Bevor optimiert werden kann, braucht man aber zunächst mal den genauen Durchblick: Wie entstehen diese Kosten? Wie setzen sie sich zusammen? Und welche Stellschrauben gibt es überhaupt? Dieser Artikel gibt Antworten auf diese wichtigen Fragen.
Wie kommen die Kosten für bargeldlose Zahlungen zustande?
Für jede bargeldlose Zahlung sind die Leistungen einer ganzen Reihe unterschiedlicher Marktteilnehmer nötig: Das beginnt bei den Herstellern der Kassensysteme und den Anbietern der Payment-Terminals, geht über die Kartenaussteller (auch Issuer genannt), die Kartensysteme (Schemes), die Payment-Service-Provider (PSP) sowie die Acquirer und endet bei den Banken, bei deren Konten die jeweilige Zahlung abgebucht wird (auch Issuing Bank genannt).
In diesem Artikel erklären wir, wie der bargeldlose Zahlungsverkehr grundsätzlich funktioniert.
Während Hersteller von Kassensystemen und Anbieter von Payment-Terminals die nötige Infrastruktur verkaufen oder vermieten, verlangen Kartenaussteller, Kartensysteme, Payment Service Provider und Acquirer für jede getätigte Zahlung eine Gebühr.
Die zu zahlende Gesamtgebühr setzt sich in der Regel aus der “Interchange Fee” (kurz IC), der “Scheme Fee” (kurz SF) und der “Acquirer Marge” (AM) zusammen.
Übrigens, wenn Sie noch mehr Details und Hintergründe über Kartenzahlungen erfahren möchten, können wir folgende Podcasts von Payment & Banking empfehlen:
Welche Gebührenmodelle gibt es?
Für die Abrechnung der oben genannten anfallenden Gebühren gibt es unterschiedliche Modelle. Am verbreitetsten sind Fixed Rates, Blended Rates sowie die Interchange+ (IC+) und Interchange++ (IC++) Modelle.
Warum ist es wichtig, die Gebührenmodelle zu kennen?
Die Gebührenmodelle haben direkten Einfluss auf die Kosten, welche bei bargeldlosen Zahlungen entstehen. Darüber hinaus kann z.B. das Interchange++ Modell dabei helfen, die Zusammensetzung der Kosten und die Entwicklung der einzelnen Komponenten besser nachzuvollziehen.
In jedem Fall ist es wichtig, die verschiedenen Modelle zu kennen, um dann bewusst das für die eigenen Anforderungen optimale Modell zu wählen. Bei der «Swiss EFT Insights»-Studie, die treibauf 2021 zusammen mit dem Unternehmen Arkwright durchgeführt hat, wussten fast 39 % (!) der Befragten nicht, welches Gebührenmodell in ihrem Unternehmen zum Einsatz kommt.
An dieser Stelle muss man dazu sagen, dass bei der Studie vornehmlich kleinere und mittelständische Unternehmen in der Schweiz befragt wurden. Nichtsdestotrotz zeigt diese Zahl das enorme Potenzial, wenn es um die Professionalisierung und Optimierung der EFT-Kosten geht.
Warum ist es wichtig, die Zahlungszusammensetzung zu kennen?
Welche Karten werden von den Kund:innen am häufigsten genutzt? Welche kartenlosen Bezahlsysteme kommen zum Einsatz – und wie oft? Mit anderen Worten: Wie ist die genaue Zusammensetzung der bargeldlosen Zahlungen, auf Englisch auch Payment Mix genannt?
Können Sie diese Fragen genau beantworten, dann wissen Sie auch, welche Bedeutung unterschiedliche Karten oder kartenlose Bezahlsysteme für Ihren Umsatz haben. Dieses Wissen wiederum ist essenziell für die optimale Auswahl eines Payment Service Providers oder eines Acquirers, genau wie für die Preisverhandlungen und die Wahl des Gebührenmodells danach.
Die einfachste Art, diese Einblicke zu bekommen, ist eine Payment-Analyse-Software, wie z.B. das Payment-Analytics-Center von Matchbox. Die Software analysiert automatisch Umsätze, Matching-Quoten und die Zusammensetzung der getätigten Zahlungen und verwandelt die Flut der Zahlungsdaten in aussagekräftige Diagramme, die als Grundlage für fundierte Entscheidungen dienen können.
Braucht der EFT-Markt mehr Transparenz?
Wissen Sie, wie die Höhe Ihrer Scheme Fees und Acquirer Margen berechnet wird? Oder, wo Sie mit Ihren Gebühren im Branchenvergleich liegen? Wissen Sie, wie stark der Gesamtumsatz die Gebühren pro Zahlung beeinflusst ?
Wir leider auch nur zum Teil. Wenn es um die Entstehung und Berechnung von Gebühren geht, ist der EFT-Markt noch immer von Intransparenz geprägt. Um das zu ändern, hat treibauf letztes Jahr eine eigene Studienreihe ins Leben gerufen.
Die 2021 durchgeführte Studie «Swiss EFT Insights 2021» hat bereits erste interessante Einblicke gebracht. 2022 werden wir die Studienreihe gemeinsam mit der ZHAW (Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften) unter anderem Namen fortsetzen und vertiefen.