Die Welt des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ist von einer Vielzahl an Standards, Technologien und Protokollen geprägt – insbesondere über Ländergrenzen hinweg. Das Konsortium Nexo Standards hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Interoperabilität der Technologien für bargeldlose Zahlungen voranzutreiben. Dafür hat die Organisation eigene Standards entwickelt.
Doch wer steckt hinter dem Konsortium? Wie wichtig sind diese Nexo Protokolle heute – insbesondere, wenn es um die Anbindung von POS-Terminals an Kassensysteme geht? Was sind die Potenziale des Nexo Protocols? Und welche Einschränkungen gibt es? treibauf informiert kompetent und unabhängig.
Nexo Standards: Die Organisation hinter den Nexo Protokollen
Nexo Standards ist ein offener Zusammenschluss verschiedener Unternehmen aus dem Bereich der bargeldlosen Zahlungen mit dem Ziel, internationale Standards für Zahlungstechnologien zu entwickeln, zu etablieren und zu verbreiten. Alle Entwicklungen der Organisation fussen auf der technischen Norm ISO 20022.
Die Unternehmen hinter Nexo Standards
Hinter dem Zusammenschluss Nexo Standards stehen viele Branchengrössen, die gemeinsam der Organisation selbst und den entwickelten Nexo Protokollen grosse Bedeutung schenken.
Der Zusammenschluss unterscheidet zwischen «Principal Members» und «Associate Members». Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die bekanntesten Mitglieder von Nexo Standards.
Was will Nexo Standards erreichen?
Das primäre Ziel von Nexo Standards ist, eine Reihe von State-of-the-Art Standards zu entwickeln, welche die Anforderungen der EFTPOS-Branche erfüllen. Diese offenen Standards sollen gebührenfrei zugänglich gemacht werden und werden als ein wichtiger Schritt hin zu einem vereinheitlichten Zahlungsmarkt gesehen, von dem alle Stakeholder profitieren sollen – insbesondere natürlich multinationale Handelsunternehmen.
Der Nexo Standard: Die wichtigsten Nexo Protokolle in der Übersicht
Nexo Standards versucht, alle technischen Schnittstellen im bargeldlosen Zahlungsverkehr durch moderne, offene Protokolle international zu standardisieren. Die wichtigsten haben wir hier für sie kurz aufgeführt und erläutert:
ISO 20022: Die technische Norm, auf der alle Nexo Protokolle basieren
Der Standard ISO 20022 wurde als gemeinsame Norm für die Finanzindustrie entwickelt, um die Kommunikation von Informationen über verschiedene Unterbereiche der Branche hinweg zu vereinheitlichen.
Die Logik hinter dieser Norm basiert auf einer strikten Trennung zwischen dem grundsätzlichen Prinzip, wie die Informationen dargestellt werden (dem eigentlichen Standard) und der tatsächlichen Darstellung der Informationen in einer Programmiersprache (der Syntax). Das macht Standards wie die Nexo Protokolle unabhängig von den jeweiligen Coding-Konventionen. Damit bildet die ISO 20022 eine wichtige Basis für die Interoperabilität unterschiedlicher Systeme im Bereich bargeldloser Zahlungen.
Da die konkrete Software-Implementierung sich dadurch jedoch immer unterscheidet, kann ein Wechsel trotzdem mit hohem Aufwand verbunden sein.
Das Nexo Retailer Protocol im Detail
Für den integrierten Betrieb des Payment Terminals müssen Kasse und Terminal miteinander kommunizieren: Das Payment Terminal erfährt von der Kasse die Transaktionsart und den Betrag. Nach Abschluss des Bezahlvorgangs liefert das Gerät die Ergebnisse zurück an die Kasse. Diese Kommunikation erfolgt über ein definiertes Protokoll.
Der Status Quo: International unterschiedliche Protokolle
In Europa hat jedes Land seine eigenen vorherrschenden Kommunikationsprotokolle. In Deutschland zum Beispiel ist das ZVT-Protokoll ein Beispiel für den Versuch einer nationalen Standardisierung. Darüber hinaus finden aber zusätzlich noch eine ganze Reihe weiterer Protokolle Verwendung. Dabei kommt es auch vor, dass Acquirer eigene, neue Kassenschnittstellen entwickeln.
Das macht den Austausch eines Terminals (und damit den Wechsel des Acquirers) für die Händler sehr aufwändig. Welche Lock-in-Effekte daraus für Händler resultieren, haben wir in einem eigenen Artikel zum Thema Multi-Acquiring erläutert.
Die Nexo Kassenschnittstelle: Versuch einer internationalen Standardisierung
Das Nexo Protokoll für die Kommunikation zwischen Payment Terminal und Kasse soll den Händlern ermöglichen, problemlos zwischen den Terminals verschiedener Anbieter wechseln zu können – und damit nicht länger an bestimmte Acquirer gebunden zu sein.
Obwohl das Nexo Protokoll noch nicht lange am Markt ist, bietet es Nutzern bereits einen sehr grossen Funktionsumfang. Da es auf der ISO 20022 Norm basiert, erlaubt es zudem, sowohl den Funktionsumfang als auch den Kommunikationsablauf in einer späteren Version zu verändern, ohne dass das einen Einfluss auf bestehende Systeme hat.
Wie ist das Nexo Protokoll für die Kommunikation zwischen Payment Terminal und Kasse aufgebaut?
Jede Nachricht, die beim Nexo Retailer Protocol zwischen Payment Terminal und Kasse ausgetauscht wird, folgt einem strikten Aufbau:
- Nachrichtenkopf
- Nachrichteninhalt
- Sicherheitsabschnitt
Wie sind die Daten beim Nexo Protocol verpackt?
Das Nexo Protocol ist bewusst sehr offen gestaltet und lässt für das Format der verwendeten Daten drei verschiedene Formate zu:
Wie werden die verpackten Daten beim Nexo Protocol verschickt?
Auch beim Transportprotokoll lässt das Nexo Protocol drei unterschiedliche Möglichkeiten zu:
Was bedeutet diese Offenheit des Nexo Protocol für die Händler?
Acquirer und Terminalintegratoren können frei entscheiden, welches Datenformat oder Transportprotokoll sie wählen. Einerseits kann diese Offenheit natürlich zur schnelleren Verbreitung des Nexo Protocols beitragen.
Für Händler bedeutet es aber auch: Nexo ist nicht gleich Nexo. Denn die unterschiedlichen Implementationsoptionen verhindern bei einem Terminalwechsel oft ein Plug & Play. Der Aufwand beim Austausch kann schnell (fast) genauso gross werden wie bei anderen Kommunikationsprotokollen.
Die Vorteile universeller Kassenschnittstellen
Was sind also die Alternativen, wenn nicht einmal international ausgelegte API-Konzepte wie das Nexo Protokoll absolute Interoperabilität und Flexibilität gewährleisten können?
Die Antwort heisst Pepper – eine smarte Integration-Middleware, die als «universelle Schnittstelle» funktioniert: Sie «beherrscht» nicht nur über 150 verschiedene Kommunikationsprotokolle, sondern auch alle üblichen Interpretationen und Erweiterungen, die über den Standard dieser Kommunikationsprotokolle hinausgehen.
Im Nexo-Kontext zählen dazu z.B. die Adyen Terminal API, die UniCredit Bank Austria ePOS Payments API (von fiserv) oder die Worldline Terminal API.
Die Vorteile einer solchen über die Jahre gewachsenen Middleware liegen auf der Hand: Im agilen Retail-Umfeld beschleunigt sie nicht nur die Anbindung neuer Terminal-Modelle im In- oder Ausland und verringert so die Time-to-Market. Durch die kontinuierliche Wartung und Pflege aller Kommunikationsschnittstellen vereinfacht sie auch den Betrieb und die Pflege. Die Folge? Weniger Ausfälle und mehr Transaktionen.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Flexibilität und Unabhängigkeit, die Unternehmen mit einer solchen Middleware gewinnen: Plötzlich gibt es nämlich keinen Lock-in-Effekt mehr – und man kann jederzeit frei entscheiden, mit welchem Acquirer man zusammenarbeiten möchte.